Die Familienklasse ist ein MFT-Angebot für Grundschulen und auch für weiterführende Schulen. Das Angebot richtet sich an Eltern, deren Kinder durch mangelndes Sozialverhalten in der Schule auffällig sind. Die Schüler*innen zeigen häufig einen respektlosen Umgang mit Mitschüler*innen und Lehrer*innen. Regelakzeptanz sowie Sozialkompetenz sind Bereiche, in denen Kinder der Familienklassen einen hohen Nachholbedarf haben. Gleichzeitig finden sich auch Kinder mit ihren Eltern in der Familienklasse ein, die sich sozial isoliert und zurückgezogen zeigen. Dieses schwierige Verhalten führt bei den Kindern zu ausbleibenden Schulerfolgen, die Schulentwicklung ist nicht selten gefährdet, und es droht eine Weiterbeschulung durch ein Schulersatzprojekt außerhalb der Regelschule.

In diesen Fällen laden die Klassenlehrer*innen die Eltern ein, ihr Kind in der Schule durch die Teilnahme an der Familienklasse zu unterstützen. An einem Tag in der Woche treffen sich bis zu acht Kinder und jeweils ein Elternteil zum gemeinsamen Arbeiten in der Familienklasse. Individuelle Lernziele werden mit den Schüler*innen, den Eltern und der Klassenlehrer*in entwickelt. Am Familienklassentag lernen Kinder in dieser Kleingruppe mit Unterstützung ihrer Eltern. Im Fokus steht dabei das Sozialverhalten und der respektvolle Umgang mit anderen Kindern, Lehrer*innen und Eltern. Regelakzeptanz und Sozialkompetenz werden im MFT-Kontext erprobt, reflektiert und in den Schulalltag übertragen. Die Eltern erfahren im Kontext der Familienklasse, dass sie wichtig für die Schulentwicklung ihrer Kinder sind. Eltern, Schule und Jugendhilfe bilden in der Familienklasse ein Wirkungsdreieck für das betreffende Kind. Durch diese intensive Intervention verändern die Kinder schnell ihr Verhalten im Schulalltag. Dadurch können sie Lernstoffe aufnehmen, und Lernerfolge stellen sich meist zügig ein. Die zunächst kleinen Fortschritte führen längerfristig auch zu verbesserten Schulleistungen. Die Familienklasse wird von einer Lehrer*in der jeweiligen Schule und einer externen MFT-Trainer*in geleitet. Zudem gibt es immer mehr Schulen, die Lehrer*innen und Schulsozialarbeiter*innen der eigenen Schule zu MFT-Trainer*innen ausbilden lassen um die Familienklasse als festen Bestandteil an ihrer Schule zu implementieren. Besonders unter Berücksichtigung des Inklusionsgedankens zeigt sich die Familienklasse als geeignete Intervention, auch schwierige Schüler*innen an Regelschulen zu halten.