MFT in der Kinder- und Jugendhilfe

 

Seit den 90er Jahren ist die Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland im Wandel. Vom Jugendwohlfahrtsgesetz zur Hilfe zu Erziehung war ein langer Weg. Heute steht in vielen Bundesländern Jugendhilfe für Elternaktivierung und Elternpartizipation.

Die Haltung der Multifamilientherapie fügt sich in die emanzipatorische Entwicklung hervorragend ein.

Die Klientel der Kinder- und Jugendhilfe profitiert in vielen Fällen von dem Gruppenangebot. Besonders in strukturschwachen Familien eignet sich das gegenseitige Lernen am Model in der MFT. Nicht selten starten die Angebote der Jugendhilfe im Zwangskontext. Da ist es besonders hilfreich, wenn man auf weitere „Gezwungene“ trifft. Viele sogenannte Multiproblemfamilien kennen die Kinder- und Jugendhilfe seit Generationen und sind geschult im Hilfesystem. Der Austausch mit anderen Familien wirkt bei der Übersättigung an Helfer*innen oftmals wohltuend.

Die im Jugendhilfesystem betreuten Familien haben schon langjährige Erfahrungen gemacht, in Gruppen nicht bestehen zu können. Sie sind häufig sozial isoliert und vom Herkunfts-Familiensystem ausgestoßen.  Im MFT-Kontext erleben Familien erstmalig das Gefühl dazu zugehören und gemocht zu werden. Das Prinzip der Solidarität ist sehr hilfreich.

„Wir sitzen alle in einem Boot“, fällt als Satz in vielen MFT-Gruppen und zeigt deutlich die Solidargemeinschaft.

In diesem Kontext können die Familien ihre eigenen Schwierigkeiten herausfiltern. Sie identifizieren in den zahlreichen Familien- und Gruppenübungen ihre eigenen Probleme. In der Gruppe können sie mit diesen Themen experimentieren, in den MFT-Sitzungen können sich die Familien ausprobieren und neue Erfahrungen machen. Wenn eine wohlwollende Gruppenatmosphäre besteht, können die Eltern und Kinder gegenseitig wertschätzend über die Erfahrungen reflektieren und anschließend einen Transfer in den Alltag herstellen.

 

In der Kinder- und Jugendhilfe stellt sich MFT fast ausschließlich als ein Beiverfahren dar. Eltern und Kinder haben oftmals weitere Hilfen zur Erziehung in Form von ambulanten, teilstationären oder auch vollstationären Hilfen. Wenn MFT diese anderen Hilfen begleitet, können wirksame Effekte erzielt werden, die sich durch Nachhaltigkeit auszeichnen.